Biel2

Geschichte

Biel / Selkingen / Ritzingen

  • 1980 fand Emil Carlen bei Grabarbeiten neben seinem Haus in Ritzingen aus der Latenzeit (5. Jahrhundert vor Christus) einen Ringsatz mit Kreisaugendekor, Sanguisuga – Fibeln, Drahtarmringe und zwei Bernsteinkugeln. Damit war der Beweis erbracht, dass hier schon Kelten gelebt haben.
  • 1237 schenkte Graf Boso ll. von Gradetsch die Grafschaft dem Bischof von Sitten. So waren die Grafschafter nun Freie und unterstanden direkt dem Bischof.
  • Die Grafschaft, bestehend aus den Dorfschaften Ritzingen, Biel und Selkingen und Gluringen war nun ein Freigericht und wurde von einem Ammann verwaltet, der auch Richter war und aus den eigenen Reihen erwählt wurde. Er konnte Todesurteile aussprechen, die aber vom Bischof bestätigt werden mussten.
  • 500 Jahre später, nachdem das Goms durch die Franzosenkriege viel leiden musste, wurden die Gemeinwesen neu geordnet und aus den 4 Dorfschaften wurden eigenständige Gemeinden.
  • Im Jahre 2000 beschlossen Selkingen, Biel und Ritzingen sich wieder zu einer Gemeinde zusammenzuschliessen und bildeten die Gemeinde Grafschaft.

Blitzingen

  • Die heutige Gemeinde Blitzingen umfasst fünf Dorfschaften: Blitzingen, Bodmen, Wiler, Ammern und Gadmen. Die Region war schon in vorhistorischer Zeit bewohnt. Zurzeit Karl des Grossen gehörte die Bevölkerung einem deutschen Stamme an, was aus dem Wortende -ingen hervorgeht. Urkundlich zum ersten Mal erwähnt wird Blitzingen 1347.
  • Alle diese Dorfschaften werden ausdrücklich als Gemeinden bezeichnet. So klein die Dörfchen auch waren, sie haben ihre Selbständigkeit bewahrt, bis die Kantonsverfassung von 1848 zur Verschmelzung geführt hatte.
  • Seit dem 11. Jahrhundert gehörte Blitzingen zum Meiertum und Vizedominat von Ernen. Die fünf Gemeinden von Blitzingen bildeten zusammen mit Niederwald und Rottenbriggen den obersten Viertel der Grosspfarrei Ernen. Der wie eine Kanzel mit Sicht auf Ober- und Untergoms ins Tal vortretende "Chaschtebiel" war von alters her Versammlungsort des ganzen Zenden Goms, wo Bannerherr und Weibel gewählt wurden. 1616 trennte sich dieser Viertel von der Mutterkirche in Ernen los worauf Blitzingen 1877 eine eigene Pfarrei gründete.
  • Das Dorf Blitzingen brannte in der Nacht vom 12. auf den 13. September 1932 nieder, worauf es binnen eines Jahres wiederaufgebaut wurde. Vom Dorfbrand verschont blieben neben wenigen Häusern einzig die Kirche und die Dorfpartie "Geren". Nach der Errichtung des neuen Dorfes sollte Blitzingen wieder als "Walliser Dorf" erstehen.
  • Aus Blitzingen stammt die Hotelierfamilie Seiler. Das Seilerhaus war jedoch auch ein Opfer des Dorfbrandes.
  • Bodmen - ein Weiler mit Vergangenheit: Abseits der Strasse liegt verträumt und von der Hochkonjunktur kaum berührt, das Dörfchen Bodmen bei Blitzingen. 1339 wird Bodmen urkundlich erstmals erwähnt. 1347 kaufte sich Bodmen von allen Abgaben und Dienstleistungen los. Bis 1848 war Bodmen eine selbständige Gemeinde und hatte eigene Wälder, Allmeinen und Alpen. Von der einstigen Eigenständigkeit zeugen die erhaltenen Nutzbauten wie Speicher, Backhaus, Waschhaus, Mühle und die "Teilchammera" (Teilkammer).
    Den Dorfkern von Bodmen bilden vornehmlich Wohnhäuser. Die Nutzbauten stehen zum grössten Teil am Rand. Der zu den eindrücklichsten Siedlungsbildern des Goms zählende Weiler ist zugleich auch einer der besterhaltenen.
    Die Kapelle (1864) war der Heiligen Dreifaltigkeit geweiht. Sie wurde 1722 beim Dorfbrand zerstört und 1778 neu aufgebaut. Seit dem Brand gilt sie im Volk als Agathakapelle und seit der Mitte des 18. Jahrhunderts als Muttergotteskapelle. Der baroke Altar stammt wohl aus der Ritz Werkstatt von Selkingen.
    Seltenes: In einem schluchtartigen Graben südöstlich des Weilers, im "Ofemanjiloch" wurde Giltstein gebrochen.
    Westlich von Bodmen, im "Schmali" stehen wohl die grössten Lärchen des Wallis. Sie verzeichnet auf dem Boden einen Umfang von 7 Meter, wobei ihr Volumen auf 50 Kubikmeter geschätzt wird.
  • Wiler: Auf einer fallenden Terrasse des rechten Talhanges liegt der anmutige Weiler "Wiler" - einer der schönsten des Goms. Die S-förmig aufgereihten Nutzbauten schirmen die drei Häuser vor der "Willer-Lowwine" ab.
    Am oberen Ende des Weilers steht die woh noch aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts stammende Andreaskapelle, ein einfacher Sakralbau mit gemauertem Glockenjoch über dem Frontgiebel.
    1737 richtete eine Lawine in Wiler grossen Schaden an. Auch die Winter 1816 - 1818 brachten Unheil über das Dörfchen Wiler. 1845 verschüttete eine Lawine 19 Personen, von denen jedoch 12 noch gerettet werden konnten.
  • Gadmen: Gadmen ist der mittlerste Weiler nördlich von Blitzingen und wird 1371 erstmals urkundlich erwähnt. Gadmen windet sich S-förmig den sanften Talhang herab. Bei dieser kleinen, aber schmucken Siedlung ist der Kontrast zwischen dem mächtigen Haus in der westlichen oberen Ecke und den kleinen Nutzbauten noch augenfälliger als beim Wiler.
    Das abseits oberhalb des Weilers stehende Heilig-Kreuz-Kapellchen ist 1808 neu errichtet worden. In der Kapelle werden fünf kunstvolle Medaillons mit Reliefs von Rosenkranzgeheimnissen aufbewahrt: Verkündigung, Darstellung im Tempel, Auferstehung, Himmelfahrt und Pfingsten.
  • Ammern: Der Weiler Ammern hat seinen Namen vom früheren Ammoltern, was so viel wie wilde Kirschen hiess. Ammern wurde in der Geschichte 1374 erstmals erwähnt. Ammern schmiegt sich in eine Hangmulde der Westflanke jenes Sporns, der westlich vom "Chastebiel"-Rücken vortritt. Die Siedlung erstreckte sich einst mit Blick nach Südwesten weit über den Hang hinab.
    Später wurde die Siedlung zu einem eindrücklichen privaten Freilichtmuseum ausgebaut, wobei der Ring der Gebäude um den freien Innenraum mit verschiedenen Typen von Nutzbauten aus der Umgebung noch enger geschlossen wurde.

Geschinen

  • Urkundlich wird Geschinen erstmals 1368 erwähnt. 1446 stand dort schon eine Kapelle zu Ehren der Heiligen Theodul, Fabian und Sebastian. Die heutige Kapelle wurde 1750 erbaut und ist dem heiligen Sebastian gewidmet.
  • Die Geschiner tragen als Übernamen "Heloggsini" (Molche), weil ein Teil des Bodens sumpfig ist.
  • Die Burgernamen von Geschinen: Jost, Kämpfen, Lagger, Müller, Nessier, Pfefferle, Weger, Werlen, Zehner
  • Der Name "Weger" ist sehr bekannt. Eine berühmte Soldatenfamilie, aus der viele mächtige Männer hervorging. Der bekannteste Geschiner ist aber Sebastian Weger (1759-1832), welcher "Wegerbaschi" genannt wurde. Er war der gefürchtete Heerführer der Oberwalliser gegen die Franzosen, aber trotzdem ein "herzensguter" Held. Jedoch ist er nicht nur wegen seine kriegerischen Taten, sondern seiner Riesengrösse und ungeheuren Kraft heute noch in aller Munde. Zahlreiche Anekdoten berichten darüber.
  • Geschinen brachte eine Reihe bedeutender Männer hervor; z. B. Bischof Hildebrand Jost, die Maler Ludwig Werlen und Johann Georg Pfefferle, sowie den Dichter Pfarrer Josef Kämpfen.
  • Von den prächtigen Profanbauten aus der Barockzeit sind zu nennen:
    - die berühmte Stadelgruppe auf dem Biel in Geschinen
    - das behäbige Wegerhaus in Geschinen
  • Seinen Namen hat das Dorf Geschinen von "cascina" (Käserei, Sennerei) oder vom lateinisch "casa", romanisch "geschi" (kleines Haus).

Gluringen

  • Gluringen wurde 1203 erstmals urkundlich erwähnt. Seit dem Hochmittelalter gehörte es zusammen mit Blitzingen, Selkingen, Biel und Ritzingen zum Freigericht Biel, der sogenannten Grafschaft. Gluringer Geschlechter besetzten in der Zeit zwischen 1650 und 1780, der Blütezeit des Dorfes, häufig das Amt des Ammanns in der Grafschaft. Damals wurde eine grosse Zahl der Häuser und Stadel gebaut, darunter das mächtige Wohnhaus der führenden Familie im Dorf, das Holtzerhaus von 1681. Auch die Kirche stammt aus der Barockzeit. Sie ist eher klein und spiegelt den Umstand wieder, dass Gluringen - seit 1737 - nur ein Rektorat war; erst 1920 wurde es zur selbständigen Pfarrei erhoben.           
  • Der nachhaltigste Eingriff der letzten zwei Jahrhunderte ins Siedlungsbild war der Bau der neuen Talstrasse, die seit 1861 nicht mehr wie der alte Furkaweg mitten durchs Dorf, sondern unterhalb des Dorfkerns durchführt. Die Siegfriedkarte von 1881 zeigt die Furkastrasse kurz nach ihrer Fertigstellung. Noch deutlich erkennbar ist der Verlauf des alten Talweges auf halber Höhe, vorbei an der Ritzingerfeldkapelle, dem beliebten Wallfahrtsziel der Region. Seit 1915 führt unterhalb des Dorfes die Furka-0beraIpbahn vorbei; sie hat - im Gegensatz zur Strasse - kaum Einfluss auf die Siedlungsentwicklung gehabt.
  • Ende des Zweiten Weltkriegs richtete die Armee am Ostausgang des Dorfes einen Flabschiessplatz ein, auf dem Talboden erstellte sie als Truppenunterkunft ein Barackendorf. Als 1960, hundert Jahre nach dem Bau der neuen Strasse, der "Gommerhof" eröffnet wurde, begann sich entlang der Kantonsstrasse eine neue Dorfachse zu entwickeln.
  • Im Unterschied zu andern Gemeinden der Region hat die Einwohnerzahl von Gluringen im 20. Jahrhundert nicht abgenommen, sondern ist von 113 im Jahre 1900 auf 158 im Jahre 1990 angestiegen. Gut die Hälfte der erwerbstätigen Bevölkerung arbeitet im tertiären Sektor, vor allem beim Militär oder im Fremdenverkehr. Das Dorf besitzt mittlerweile drei Hotels und zahlreiche Ferienwohnungen. Seit 1959 funktioniert im Winter ein Skilift. Stark rückläufig ist demgegenüber die Landwirtschaft (Hauptzweige: Roggenanbau und Viehzucht), welche das alte Dorf geprägt hat. Von den 27 Vollerwerbsbetrieben, die um die Jahrhundertwende existiert hatten, sind ganze drei übriggeblieben. Diese haben am Dorfrand neue Ställe erbauen lassen.
  • Der heutige Ort: Eindrücklichester Teil des Ortsbildes ist die gegen die Furkastrasse gerichtete Front des alten Dorfkerns. Die kleine, aber dominante Kirche mit eigenwilligem Turmabschluss bildet den Blickfang flankiert von einem prächtigen Stadel und einem behäbigen Wohnhaus aus dem Jahr 1787. Silhouettenwirksam ist auch das mehrfach umgebaute Schul- und Gemeindehaus. Die Schaufront des Dorfkerns stellt im Goms eine Rarität dar; sie ist von der Kantonsstrasse her über den inneren Freiraum hinweg gut zu erleben. Das von Obstbäumen durchsetzte Wiesland steigt gegen den alten Siedlungsrand hin an und betont die Lage des Dorfes auf einem Schuttkegel.
  • Das alte Dorf hat die Form eines sphärischen Dreiecks. Seine Basis entspricht dem historischen, von der Kapelle auf dem Ritzingerfeld her kommenden Talweg. Auffällig ist die lockere Bebauung. Die lose über das Gebiet verteilten Wohnhäuser werden nur durch die bedeutend zahlreicheren Stadel, Gaden und Speicher zu einigen geschlossenen Gebäudegruppen verdichtet. Das numerische Verhältnis der bewohnten Altbauten zu den hölzernen Nutzbauten beträgt 17 zu 57. Dazu kommen zwei öffentliche Kleinbauten, Waschhaus und Backhaus, sowie acht neuere Einfamilienhäuser, welche in den ausgedehnten Baulücken des Dorfgebiets Platz gefunden haben. Die übrigen Zwischenbereiche werden für Wege und Gärten benutzt. Kein anderes Obergommer Dorf bietet zwischen den Häusern ähnlich viel Platz für Pflanzgärten, umzäunte Matten und Obstbäume.

Münster

  • Der Ort Münster wird urkundlich zum ersten Mal 1221 unter dem Namen "Musterium". Ab 1233 schrieb man Monasterium. Von 1281 an tritt auch der Name "Conches" auf, der bis Ende des 18. Jahrhunderts mit Monasterium wechselte. Münster galt schon damals als Hauptort. Die Grosspfarrei Münster umfasste alle Dörfer bis Selkingen. Wohl setzte die Französische Invasion von 1799 der Weiterentwicklung ein Ende und brachte dem Dorf und der Talschaft eine schwere Verarmung. Aber zum Glück hat das Dorf seine Gestalt aus der Zeit des Barocks weitgehend bewahrt.
  • Insbesondere die letzten Jahrzehnte haben den Wert der althergebrachten Kulturgüter erkannt.
  • Von grosser Bedeutung für den Ort wurde ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts die berühmte Familie von Riedmatten. Sie stellte nicht bloss eine ganze Reihe hoher Beamter, sondern von 1565 bis 1701, bis an Hildebrand Jost von Münster/Geschinen, die Fürstbischöfe von Sitten. Ihr Herrenhaus war der Mittelpunkt des heutigen Hotel Post mit Kapelle und Sälen.
  • Von den prächtigen Profanbauten aus der Barockzeit sind zu nennen:
    - das stattliche Haus des Meiers und Landvogts Imoberdorf westlich der Kirche
    - das Stammhaus der von Riedmatten "im Feld", in dem der grosse Kaspar Stockalper seine Verlobung mit
      Cäcilia von Riedmatten feierte
    - das behäbige Stammhaus der Meier und Landvögte Jergen unterhalb des Hotel Post
    - das mächtige Haus der Meierfamilie Imsand im unteren Dorf.
  • Den Übernamen "Bäräfrässer" (=Bärenfresser) tragen die Münstiger aus folgendem Grund:
  • Jäger von Ulrichen hatten 1721 den letzten Bären von Obergoms aufgestöbert und zu den Leuten von Geschinen getrieben, die ihn erlegten. Sofort begann ein heftiger Streit um das Tier. Schliesslich einigte man sich, den Bären der Mutterkirche von Obergoms in Münster zu schenken, deren Bewohner ihn aufassen, was ihnen diese Bezeichnung eintrug.
  • Die Burgernamen von Münster: Bacher, Bieler, Guntern, Imoberdorf, Imsand, Jergen, Jost, Keller, Kiechler, Kraft, Kreuzer, Lagger, Meichtry, Nanzer, Nessier, Pfefferle, Rickmann, Ritz, de Riedmatten / von Riedmatten, Rovina, Thenen, Weger, Werlen, Zehner
  • Einer der berühmtesten Burgernamen ist "Von Riedmatten". Eine mächtige Familie, die eigentlich aus St. Niklaus stammt. Sie stellte nicht bloss eine ganze Reihe hoher Beamter (z.B. der 1. Staatsratspräsident des Wallis), sondern von 1565 bis 1701 (bis an Hildebrand Jost von Geschinen), die Fürstbischöfe von Sitten.
  • Mehr über die Burgernamen erfahren Sie unter: www.obergommer.ch
  • Ehrenburger: Edzard Schaper (2014: 30jähriger Todestag), VDr. Hermann und Rosmarie Wirthner, VPater Stanislaus Noti
  • Das Dorf Münster leitet seinen Namen wohl von "Monasterium" (Kloster) her. Zur Zeit des Adels stand nach alter Tradition vor 1233 im Oberdorf ein Kloster (Zweigniederlassung des Augustinerinnenklosters von Interlaken). Um 1241 bestand dieses Kloster jedoch nicht mehr.
  • Das Wappen von Münster, und der späteren Fusionsgemeinde Münster-Geschinen, sowie das neue Wappen der Gemeinde Goms, bildet gleichzeitig das Wappen des Bezirks Goms.

Niederwald

  • Wer denkt bei dem Namen Hotel Ritz schon an ein kleines Gommer Dorf mit dem Namen Niederwald? Und doch wurde der berühmte Cäsar Ritz, dessen Name Nobelhotels auf der ganzen Welt ziert, in Niederwald geboren.
  • Sehenswert ist die Pfarrkirche St. Theodul aus dem Jahre 1666. Die wertvollen Altäre und die Kanzel wurden um 1700 von Johann Sigristen geschaffen. Der Taufstein aus dem Jahre 1671 ist ein Prunkstück aus der Werkstatt Lagger aus Reckingen.
  • Die zentrale Lage zwischen Langlaufloipen und den Skigebieten Bellwald und der Fiescheralp mit Anschluss ans Aletschplateau machen Niederwald zu einem kleinen Ganzjahresferienort mit ganz besonderem Charme.
  • Auf dem Dorfplatz steht der Cäsar-Ritz-Brunnen, den Monique Ritz, die Schwiegertochter von Cäsar
  • Ritz und letzte Vertreterin der Ritz-Dynastie dem Dorf Niederwald schenkte. Der Brunnen wurde
  • 1994 mit dem Cäsar-Ritz-Denkmal geschmückt, einer Figur von Bildhauer Hans Loretan. Eines der prachtvollen alten Häuser in Niederwald ist das Geburtshaus von Cäsar Ritz, welches bis zum heutigen Tag bewohnt ist. Der berühmte César Ritz, der Gründer der Nobelhotels «Ritz», ist 1850 in Niederwald geboren. 1898 konnte er als erstes seiner Luxushotels das Hotel Ritz in Paris eröffnen.
  • Später folgte das Hotel Ritz in London und andere Hotels in weiteren Städten. Mit seiner Frau und seinem Sohn hat er in Niederwald seine letzte Ruhestätte gefunden.

Reckingen

  • Reckingen wurde vom germanischen Stamm der Alemannen, die wahrscheinlich im 8./9. Jahrhundert über die Grimsel ins Goms eindrangen, gegründet. Der Name wird abgeleitet vom Wort "Rekko", was soviel bedeutet wie der "Aufrechte, der Recke". Die Endsilbe "-ingen" ist alemannischer Herkunft und bezeichnet die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Familie oder Sippe. Reckingen ist also der Ort, wo der Stamm des "Rekko" wohnte.             
  • Urkundlich erscheint der Name zum ersten Mal 1240. Funde weisen jedoch darauf hin, dass das Gebiet um Reckingen schon in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt war. 1838 wurden nämlich östlich des Dorfes "auf den Rossachern" Gräber aus der Hallstattzeit (500 v.Ch.) entdeckt. 1941 sodann wurden nördlich der 1970 durch eine Lawine zerstörten Antoniuskapelle römische Funde (aus der zweiten Hälfte des 1. Jhd.n.Ch.) gemacht. Bis ins 13. Jhd. haben wir keine schriftlichen Hinweis auf Dorf und Bevölkerung. Es werden hier wohl einfache Leute ohne festgefügtes Gemeinwesen gelebt haben.
  • Auch spätere Zusammenschlüsse waren zunächst eher wirtschaftlicher, denn rechtlicher Natur und das Zusammenleben war kaum durch schriftliche, Satzungen geregelt. Urkundlich erscheinen die Reckinger erstmals 1240 als Geteilen der Aeginenalp bei Ulrichen und der Begriff "Gemeinde" oder zu lateinisch "communitas" begegnet uns 1339. Die ältesten schriftlichen Dorfstatuten oder die sog. Bauernzünfte, die eigentliches Dorfrecht darstellten, stammen aus dem 16. Jahrhundert. Diese Bauernzünfte galten bis tief ins 19. Jhd. und wurden erst danach durch staatliche Erlasse und Gemeindereglemente abgelöst.
  • Was die Herrschaftsverhältnisse in Reckingen betrifft, standen diese zunächst wohl dem Bischof von Sitten zu. Sie wurden 1570 im Zuge eines allgemeinen Loskaufes der Pfarrei Münster von den Zehntenrechten des Bischofs abgelöst. Daneben übte aber auch die aus dem Novaresischen stammende Familie der Biandrate in Reckingen Herrschaftsrechte aus. Deren Erben, die Familie de Compeys, veräusserten die Rechte 1381 an die Dorfschaft. Das älteste Geschlecht in Reckingen ist dasjenige der Schmidt, welches bereits in einer Urkunde aus dem Jahre 1240 erscheint. Im 16. und 17. Jhd. hatten Vertreter dieser Familie immer wieder das Meieramt im Goms, die sog. Gerichtsbarkeit inne. Im 18. Jhd. waren es Vertreter aus der Familie Taffiner, welche als Meier des Goms auftraten.
  • Ursprünglich bildete Reckingen einen der neun Viertel des Zenden Goms und einen der vier Viertel der einstigen Grosspfarrei Münster. Die Pfarreigründung und Loslösung von der Pfarrei Münster erfolgte 1695. Aber erst 1880 geschah der Loskauf der letzten Primizen von der Kirchenfabrik Münster und 1914 die endgültige - auch rechtliche Lösung - von der Mutterpfarrei. Die heutige Pfarrkirche, die der bedeutendste Sakralbau des Spätbarocks im Oberwallis ist, wurde in den Jahren 1743 - 1745 erbaut. Beim Bau wirkten teilweise auch einheimische Handwerker mit.